Csaba Nemes

Jeden Tag ist 1956

Eröffnung und Galerienfrühstück im 6. und 7. Wiener Bezirk Samstag, 06. Juni 2009, 10 Uhr.

Ausstellungsdauer bis 31.07.2009.

Die Effekte der politischen Wandlungen der letzten Epoche und die daraus stammende Spannung für die alltägliche Existenz erscheinen in den letzten Arbeiten von Csaba Nemes, die die komplexen Verhältnisse von Öffentlichkeit, Repräsentation, Rollenübernahme und Medien zeigen. Auch die Taten und das Sein der Darsteller seines neuesten Videofilms "Weichlinge" basieren auf romantischen Klischees der Medien. Einer von ihnen - zum Beispiel - spielt mit seinem Decknamen direkt den Hauptheld der einst so populären TV-Serie mit dem Titel "der Kapitän von Tenkesch" an, und während der selbstjustizierenden Aktionen der Gruppe tragen sie auch Kostüme, die auf den Kampf von Kapitän Tenkesch gegen die Habsburger Unterdrückung hinweist. Das Video von Nemes zeigt eine ihrer "Heldtaten", die im Rahmen eines Interviews wachgerufen wird und ihre allgemeine Attitüde zeigt. Ihre Aktionen - obwohl gut geplant - sind dennoch ungewiss, in dem Sinne, dass keine umfassende Ideologie im Hintergrund steht. Ihre Tätigkeit beschränkt sich auf die für sie selbst risikolosen Rollenspiele, um deren Folgen sie sich nicht zu viel kümmern. Ihre Schauspiele haben natürlich auch wahre Opfer, wobei sie selbst meist nur für einander und für die Kamera posieren, ihr Hauptziel ist es ihre Vorstellungen zu dokumentieren und per Internet in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Auch die Themen von den Gemälden von Nemes zeigen Gebäude und Orte, die gesellschaftspolitische Fragen stellen. Die Darsteller sind auch hier alltägliche "Helden" der Stadt: die auf den Strassen Budapests seit Herbst 2006 gewöhnlich gewordenen Figuren mit Fahnen oder die "Mitspieler" der Demonstrationen. Wechselwirkung zwischen öffentlicher und Mediensphäre kommt vor allem bei seiner Gemälde-Serie "Jeden Tag ist 1956" ("Mindennap56") zur Geltung. Der Künstler bezieht sich hierbei auf ein Graffiti-Zitat, das an verschiedenen Punkten der Stadt aufzufinden ist. Er stellt Situationen dar, wo die auf den Demonstrationen verwendeten Symbole der "nationalen" Identität als alltägliche Objekte erscheinen. Doch gerade wegen der aktiven Vermittlung durch die Medien werden diese symbolischen Gegenstände immer populärer für die Gruppen, die die Straßen als Bühne verwenden, ihre Rollen in der Öffentlichkeit vorspielen und mit ihren außergewöhnlichen Mitteln völlig unwirkliche, beinahe als Visionen erscheinende Situationen inszenieren. Neben den aktuellen, derzeit alltäglichen Ereignissen deutet Csaba Nemes auch auf die sozialistische Vergangenheit hin. Mit seinem Interesse, an den damals verschlossenen Orten, rief er schon damals und auch heute noch wichtige Orte und Begebenheiten der kollektiven Erinnerung wach. Erzsébet Pilinger

Übersetzt von Krisztina Hunya

Mit Unterstützung von: nka Nemzeti Kulturális Alap

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