Mara Mattuschka - Mangelmutant

Lucy, 2009, oil on canvas, 80 x 100 cm

Eröffnung Mittwoch, 10.02.2010, ab 19 Uhr
Ausstellungsdauer bis 30.04.2010

"3x3" 9 Filme aus 30 Jahren von Mara Mattuschka, Präsentation 07.04.2010 ab 19 Uhr

07.04. - 13.04.: 3 Filme aus den 80ern
Les Miserables (1987, 2min)
Kugelkopf 
(1985, 6min)
Danke, es hat mich sehr gefreut (1987, 2min)

14.04. - 20.04.: 3 Filme aus den 90ern
S.O.S. Extraterrestria (1993, 10min)
Unternehmen Arschmaschine (1997, 17min), zusammen mit Gabi Szekatsch
id (2000-2003, 12 min)

21.04. - 30.04.: 3 Filme aus den 00ern
Königin der Nacht, (2005,1 min)
Burning Palace (2009, 33min), zusammen mit Chris Haring
Plasma (2004, 11min)

Die Malerin, Performancekünstlerin und Filmemacherin Mara Mattuschka, zeigt ab 10. Februar 2010 in der Knoll Galerie Wien ihre neuen Werke - Malerei die den Betrachter in eine Zwischenwelt entführt, in der eigenartige Mangelmutanten ihr Unwesen treiben.

Der eigene Körper als Metapher für das „Mensch-Sein“ steht weiter im Vordergrund von Mattuschkas Bildern. Doch hat sich dieser verändert, nimmt neue Formen an. Der Körper und das Ich als Ausgangspunkt für verschiedene Rollen und Persönlichkeiten, wird durchlässiger und verleibt sich Aspekte seiner Umgebung ein. „Der Mensch ist ein Mangelmutant, er mutiert aus einem Mangel heraus“1, erklärt die Künstlerin. Sie bezieht sich hier auf einen unvollkommenen Zustand von Organismen, die nicht fähig sind, bestimmte Substanzen selbst herstellen zu können, und somit darauf angewiesen sind, diese Stoffe aus der Umwelt aufzunehmen. Es sind „symbolhafte Zustandstiere“, die in ihren Werken von außen aufgenommen und absorbiert werden.

Das bekannte Figurenbild Mattuschkas zeigt ein neues Gesicht, nämlich das eines Pferdes oder jenes des berühmten Vormenschen Lucy, welcher nach wie vor als wichtigste Übergangsform zwischen Mensch und Menschenaffe gilt. Durch die tänzerischen, verzerrten Posen und ungewöhnlichen Blickwinkel – beides prägnante Signifikate in der genreübergreifenden Kunst Mattuschkas – ergibt sich ein grotesker Dialog zwischen dem Betrachter und der Szenerie auf der Leinwand. Die Tierköpfe kommunizieren etwas Unaussprechliches, das in ihrem Inneren verborgen bleibt. Nur ihre Haltung, ihr Blick oder ihre Grimasse geben Anhaltspunkte. „Es ist immer ein suchender Mensch, doch was sucht man heute? Es ist dieses ‚in die Welt geworfen sein’“2, kommentiert die Künstlerin. Ein Ausdruck den Martin Heidegger für das menschliche Dasein prägte, dem das Woher und Wohin aber verschlossen bleibt.

Doch dem Verlorensein und Menschsein hat Mara Mattuscka etwas entgegenzusetzen: Ihr persönliches Spektakel. Dies wird neben der Malerei auch in einer Auswahl von Filmen der letzten dreißig Jahre, gezeigt über drei Wochen, zu sehen sein. Sie verbildlicht medienübergreifend das Groteske, wie es Harald Falckenberg beschreibt: „Das Groteske bildet eine Gegenwelt zu den zivilisierten Formen des Wahren, Schönen und Guten und steht für das Archaische, Fremde, das Andere, jenseits der Ordnung und Identitätslogik Verortete. […] Die wichtigsten Mittel des Grotesken sind Inversion, Verzerrung und Vermischung, kulminierend zu einem Gesamtentwurf der ‚Verkehrten Welt’“3. In diese Zwischenwelt der Mangelmutanten lädt die Ausstellung ein, ganz im Sinne Bachtins: „Der groteske Körper ist (…) ein werdender. […] er verschlingt die Welt und lässt sich von ihr verschlingen […]“4

1 Mara Mattuschka im Gespräch mit Ulrike Payerhofer.
2 ebd.
3 Harald Falckenberg, Auf Wiedersehen: Zur Rolle des Grotesken in der Gegenwartskunst, in: Grotesk! 130 Jahre Kunst der Frechheit, Katalog anlässlich der Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt 2003, S. 184.
4 Michail Bachtin, Rabelais und seine Welt, 1995, S. 359.

Text: Ulrike Payerhofer