Ákos Birkás

White Square, 2009, oil on canvas, 160x240 cm

Eröffnung Dienstag, 17.11.2009, 19 Uhr

Gallerynight im Rahmen der vienna art week 19 – 24 Uhr, Programm:
19.15 Vortrag Katrin Heidt
Neuer Doku-Film über Ákos Birkás wird gezeigt (26 min.)
22.30 Kürbissuppe

Ausstellungsdauer 18.11.2009 – 6.2.2010

 „… ich hoffe, dass ich erst am Beginn dieser Arbeit stehe …“1, antwortet Ákos Birkás in einem Interview 2006 Edit Sasvári auf die Feststellung, dass seine Bilder nicht nur realistische Darstellungen seien, sondern echte thematische Bilder. Damit fokussiert sie jenen Punkt in Birkás Werken, von denen auch seine neuen Gemälde, ab 17.11.2009 in der Knoll Galerie Wien zu sehen, handeln.

Die großformatigen und durch expressive Farbgestaltung prägnanten Bilder Birkás’ verführen dazu, sie allzu schnell einfach dem Fotorealismus zuzuschreiben. Es erschließt sich dem aufmerksamen Betrachter jedoch eine Bühne, welche vom Künstler wohlüberlegt aus der unübersichtlichen Bilderflut des Alltags besetzt wurde. Das „Schauspiel“ kann beginnen, in dem wir alle tagtäglich eine wesentliche Rolle einnehmen: die des Rezipienten. Die ganze Welt wird in Bildern wahrgenommen, Bilder, die maßgeblich von den Medien bestimmt werden und sich je nach Aktualität ständig wiederholen. Sie nehmen so einen Platz in unserem Gedächtnis ein, schleichen sich unauffällig in unser Innerstes, doch was ist ihre Botschaft? Dieser Frage geht Birkás in seinen neuesten Werken nach. Ganz im Gegensatz zum Fotorealismus, der das Ziel verfolgt, die Wirklichkeit bis ins kleinste Detail wiederzugeben und sie somit als Illusion bloßzustellen, versucht Birkás, wie es Katrin Heidt treffend formuliert: „… zur Wahrheit, die hinter den medialiserten Bildern steht, vorzudringen.“2 Und weiter: „Nicht ihre Virtualität, sondern ihre Realität ist es, die uns berührt.“3

Ákos Birkás: „Ich meine, der Realismus in der Malerei hat noch immer ein grosses kommunikatives Potenzial. Das Interesse an einer betont kommunikativen Malerei führt zur Frage der thematischen Bilder, was wiederum zu politischen Fragen führt.“ Die Malerei unterstützt dabei die „Wahrheitsfindung“ durch ihre eingeschriebene Langsamkeit. Ákos Birkás: „Das Pressefoto bietet einen grösseren Freiraum zum Nachdenken. Bei der Arbeit geht es mir in erster Linie um dieses nach-denken. Das hängt auch mit dem langsamen Entstehungsprozess dieser Malerei zusammen.“ Ein Moment der schnellen medialen Bilderwelt wird festgehalten, eingefroren, und konserviert. Hält die Szene diesem Prozess stand? Bleibt an einem politischen Sujet oder einer medialen Rolle am Ende eine Botschaft bestehen, nachdem Birkás sie analysiert, neu zusammengesetzt und in die Sprache seiner Malerei übersetzt hat?

„Die Bruchstellen im Bild, all das, was eine widersprüchliche Lesart evoziert, scheint der wahren Bedeutung des Bildes nahe zu kommen und ihren inneren Kern freizulegen.“4 Diese Momente der Spannung hebt Katrin Heidt als wesentliche Punkte in Birkás’ Werken hervor, und knüpft damit an Jacques Rancières Überlegungen zur politischen Philosophie an, wonach Kunst Widerstand beinhalten muss, welcher nur durch die unaufgelöste Spannung zwischen zwei Widerständen bestehen bleibt. Welchen Widerständen wir im Leben ausgesetzt sind, und welcher Teil des Öffentlichen in unser Privates vordringt, untersucht Birkás in seinen neuen Werken. Und damit steht er nicht mehr am Beginn jener Arbeit, sondern befindet sich mittendrin.

 

1Edit Sasvári; Ist es ein Gebäude oder ein Weg? Ein Gespräch mit Ákos Birkás; in: Birkás Ákos, Werke 1975-2006, Ludwig Múzeum Budapest, 2006; 119-135, Seite 135.
2Katrin Heidt: Die Entgrenzung der Kunst. Ákos Birkás’ neueres Werk im Fokus von Fotorealismus, Neuer Figuration und politischer Philosophie, Manuskript zum gleichnahmigen Vortrag, gehalten am 6.Oktober 2009 anlässlich des Symposiums „Nach der zweiten Öffentlichkeit“ in der Knoll Galerie Budapest, S.4.
3Ebd., S. 9.
4Ebd., S. 12.