Hungarica

Tibor Horváth, wt, embroidered pillow, 61x83x20 cm, 2012

Eröffnung: Mittwoch, 13.06.2012, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.06. - 31.07.2012

János Borsos
Lörinc Borsos
The Corporation
Tibor Horváth
László Karácsonyi
Miklós Mécs
Csaba Vándor


Kuratorin: Zsuzska Kozák

Es gibt ein minder lobenswertes Hungaricum*: den Ansatz, die verschiedensten Abneigungen gegen diejenigen zu nähren, neben denen man zwangsweise leben muss. Diese negative Tendenz ist wegen den innen- und außenpolitischen Geschehnisse der letzten Jahre noch unerträglicher geworden. Sei es in Bezug auf die Einwohner eines Nachbarlandes, ein bestimmtes Volk, eine ethnische Gruppe im eigenen Land oder in Bezug auf bekannte oder unbekannte Leute in der Nachbarschaft, die anders geartete politische Ansichten haben. Die Nachrichten in den Medien über Vorgänge in Ungarn erregen den Rest der Welt. Diese Ausstellung macht es sich zur Aufgabe, im Unterschied zu den täglichen Medien-Informationen den Blick der KünstlerInnen zu präsentieren.

 Ein Teil der Generation der jungen bildenden KünstlerInnen interessiert sich seit langem für dieses Thema. Ihre emblematische Figur ist Tibor Horváth, der, sich von extremen politischen Gruppen scharf separierend, in seiner künstlerischen Produktion radikale Botschaften thematisiert und das Enfant terrible der heimischen Kunstszene ist. Seine aus diversen Materialien gebastelten Bilder und Objekte kritisieren meist mit frommem, manchmal mit frechem Humor, mit einer prägnanten visuellen Sprache. Die seit 2000 existierende Künstlergruppe The Corporation (János Borsos, Lilla Lörinc, Erik Mátrai, Gergely Papp, Gábor Szenteleki) verwendet ebenfalls alle möglichen Mittel der bildenden Kunst. Sie realisieren für die Ausstellung einen zweiteiligen Tisch, der die österreichisch-ungarischen Verhältnisse abbildet. Die Arbeit Borderlinecases des Künstler- und Ehepaars Lörinc Borsos erfasst die zentral-osteuropäischen Verhältnisse, so wie die selbstständige Installation von Borsos den sich auf alles und alle richtenden Hass spiegelt, der als so typisches Phänomen innerhalb der Grenzen von Ungarn herrscht. Die Fotoserie von Miklós Mécs, dem jugendlich gebliebenen Intermedia Künstler, verweist auf die Korruption bei öffentlichen Aufträgen und das fehlende soziale Netz. Seine gemeinsam mit Csaba Vándor gezeichnete Marmortafel, die er auf dem Wiener Naschmarkt erfolglos zu verwerten versuchte, setzt selbstkritische Erinnerung auf die österreichisch-ungarischen Verhältnisse im Laufe des Systemwechsel 1989. László Karácsonyi – in dessen Oeuvre die Untersuchung vom öffentlichen Leben eher weniger dominiert – formuliert im klassischen Medium des Ölgemäldes seine Angst, dass am Ende der von einer kleinen politischen Elite angefangenen Entscheidungsmechanismen die einzelne Person verloren geht.

Weder im Ausland noch in Ungarn fand eine solche Ausstellung bisher statt. Die Mission der Kunst ist es, Meinungen zu artikulieren, die auf keine andere Weise zum achtsamen Publikum kommen können. Und diese junge Künstler wollen das Schweigen nicht.

 * Hungaricum: ein typisches Ding, was nur für Ungarn charakteristisch ist, worüber Ungarn in der Welt bekannt ist, z. B.  Speise, Getränk, Gewürz, Musik, Literatur, berühmte Person, gesellschaftliche Eigenheit, Verhalten.