Mara Mattuschka - Nichts steht zwischen mir und Sokrates

Eröffnung: Mittwoch, 18.02.2015, 19h
19.02. - 04.04.2015

  • Mara Mattuschka, installation view 03, 2015
  • Mara Mattuschka, Fliegender Teppich, oil on canvas, 2015, 140x100 cm
  • Mara Mattuschka, Sokrates, oil on canvas, 2015, 120x100 cm
  • Mara Mattuschka, Mops, oil on canvas, 2014, 120x90 cm
  • Mara Mattuschka, In Sicherheit, oil on canvas, 2015, 120x160 cm
  • Mara Mattuschka, installation view 02, 2015
  • Mara Mattuschka, installation view 04, 2015
  • Mara Mattuschka, Danae, oil on canvas, 2014, 110x110 cm
  • Mara Mattuschka, Morlocks, oil on canvas, 2014, 100x100 cm

Mara Mattuschka, vielen bekannt durch ihr experimentelles, filmisches Schaffen seit den 80er Jahren, zeigt ab 18.2. neue Werke der Malerei.
Der Titel der Ausstellung „Nichts steht zwischen mir und Sokrates“ führt direkt in die Welt der Künstlerin, in welcher sich Fragmente des menschlichen Daseins manifestieren, die auf dem Pfad zwischen Realität und Fiktion, Narration und Unaussprechlichem wandeln. Perspektiven sind verschoben, Hintergründe sind aufgelöst oder vage angedeutet, die Figuren finden sich in ungreifbaren, transitorischen Orten wieder. Wie in Werken früherer Serien, ist Mara Mattuschka selbst als Protagonistin in manchen ihrer Bilder zu sehen. Die Beschäftigung mit dem Ich, die Vielschichtigkeit der eigenen Identität und wodurch sich diese konstituiert, stellt schon von Beginn an einen wesentlichen Bestandteil in ihrem künstlerischem Schaffen dar. Identität aufgefasst als eine Einheit - eine Einheit des Seins die sich aus einem Spektrum verschiedener Seinszustände zusammensetzt, und sich im Inneren jedes Einzelnen als ständiger Prozess neu formiert. Diese inneren Prozesse, die teils bewusst, teils unbewusst ablaufen, spiegeln sich in den Haltungen, Blicken, Gesichtsausdrücken der Figuren, sowie in den Sujets und Titel der Bilder wieder.
In "Angelehnt" beispielsweise sehen wir das Abbild Mattuschkas von oben, mit nachdenklicher Haltung und Blick, welcher durch die gewählte Perspektive und den Griff auf den Kopf zusätzlich betont wird. Es ist nicht ausmachbar was sie genau beschäftigt, jedenfalls befindet sie sich in einem unsteten Zustand, der durch die Malerei angehalten wird, und durch den unklaren Hintergrund und seitlichen Lichteinfall verstärkt wird.
In "Morlocks" bezieht sich die Künstlerin auf H. G. Wells berühmten Roman "Die Zeitmaschine", in welchem lichtscheue Morlock-Wesen in unterirdischen Höhlen hausen, und sich des nächtens ihre menschliche Nahrung von oben holen. Die Welt dieser oberen Klasse der Menschen wird gleichzeitig von Maschinen aufrechterhalten, die die Morlocks betreiben. Beide befinden sich somit in einem System, dass jeweils vom anderen abhängig ist beziehungsweise diesen (aus)nützt.

Verstärkt finden sich in der neuen Serie Bilder mit Bezügen zur klassischen Mythologie, wie in "Danae" oder "Io mit er Wolke". Io, die etwas unfreiwillig von Jupiter in Form einer Wolke beglückt wird, gibt sich hier nicht ergeben ihrem Schicksal hin, sondern artikuliert ihre Lage durch einen Schrei oder Laut, der die exzentrische Rokokofrisur verrutschen lässt. Oftmals finden sich die Figuren in Mara Mattuschkas Bildern in tragikkomischen Situationen wieder, in welcher sie ihre Lage nicht eindeutig artikulieren können. Die Sprache bildet ein Hauptelement in ihrem Werk und ist ein Leitmotiv in ihren Filmen als auch in der Malerei. Die stummen inneren Seinszustände, welche sich oft in ihrer Malerei wie in einem "close up" formulieren, erwachen in ihren Filmen zu Leben. So zum Beispiel in ihrem letzten Film "Stimmen", welcher auf der Viennale 2014 Premiere hatte, und von einem Mann handelt in dessen Ich oder innerem Haus fünf verschiedene Personen wohnen. Ständig müssen die Personen ihre Bedürfnisse miteinander verhandeln und das nach-außen-treten durch den Körper und das Mitteilen durch Sprache untereinander aufteilen.

Mattuschkas "Sokrates", ironischerweise halb versteinert und halb lebendig dargestellt, fordert mit seinem Blick gleichsam auf: "Rede, damit ich dich sehe!". Darauf kann im Sinne Mara Mattuschkas nur mit Loriot geantwortet werden: "Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos."